Cocuma dreht den Bewerbungsspieß um

Cocuma – klingt wie der neueste Food-Trend, heißt aber Company Culture Market und ist ein Business-Modell. Es reagiert auf die Tatsache, dass es in Tschechien mehr freie Stellen als geeignete Bewerber gibt. Auf dem Webportal Cocuma.cz werben daher Firmen mit ihrer Unternehmenskultur um neue Mitarbeiter. Nach Meinung von Gründer Petr Skondrojanis wird das für Bewerber immer wichtiger.

Über 30 Unternehmen aus den verschiedensten Branchen präsentieren sich schon bei Cocuma und bieten Jobinteressierten einen digitalen Einblick in die Firmenkultur. In kurzen Video-Statements erzählen Mitarbeiter von ihrem Unternehmen, ihrer Arbeit, den persönlichen Erfahrungen und Zielen. Dazu überschaubare Textblöcke und, wenn gewünscht, ergänzen Stellenanzeigen das Firmenprofil. Eine IT-Firma aus Brünn stellte so im letzten Jahr 20 Mitarbeiter ein, für ein anderes Unternehmen ist das Portal sogar die primäre Jobbörse. Denn wer sich via Cocuma bewirbt, der interessiert sich für mehr als nur einen Job zu bekommen. Rund 15.000 ‚unique visits‘ hat die Seite pro Monat.

Petr Skondrojanis will Unternehmen abbilden, „wie sie wirklich sind“. Kein geringer Anspruch. Und: Er will nur Firmen präsentieren, die er auch seinen Freunden empfehlen könnte, und träumt von einem Zertifikat: „Diese Unternehmenskultur ist Cocuma-geprüft“.

„Kultur“ haben nach Meinung Skondrojanis‘ Unternehmen, in denen der Mensch keine Nummer ist und Fehler machen darf, die von einem guten Leader geführt werden, der das Potenzial hat, das Unternehmen  weiterzuentwickeln. „Die Mitarbeiter sind treu, wenn sie an die Werte und Prinzipien der Firma glauben“, meint er. Eine optimale Work-Life-Balance trete dabei in den Hintergrund. „Eine gute Kultur haben wir dann, wenn die Menschen einfach gerne im Unternehmen arbeiten, nicht zwischen der Arbeit und dem Privatleben unterscheiden müssen und kein Problem damit haben, am Wochenende auch mal eine Arbeitsmail auf dem Smartphone zu finden.“

Quelle: Cocuma

Die Geschäftsidee, dass sich der Arbeitgeber präsentiert und nicht der Bewerber, ist nicht ganz neu. Cocuma hat Konkurrenz. In den USA startete dieser Trend schon vor fünf Jahren. Für Skondrojanis liegt der Unterschied im Aufwand und in der Zeit, die er investiert, um eine Unternehmenskultur einzufangen und abzubilden. Eine Kooperation beginnt mit den ‚Deep Talks‘, in denen die Unternehmenskultur evaluiert wird und Schwachstellen sondiert werden. Skondrojanis merkt spätestens jetzt, ob die Unternehmenskultur ‚Cocuma-reif‘ ist. Daraufhin erarbeitet er mit seinen Kollegen ein Drehbuch für die Videointerviews, die direkt im Unternehmen entstehen. Um so authentisch wie möglich zu sein, werden sie ungeschnitten und unbearbeitet auf Cocuma veröffentlicht. Bei seinem jüngsten Projekt „lebte“ Skondrojanis vier Tage in der Firma, führte 32 Stunden Interviews mit 32 Menschen, lernte die Strukturen kennen und baute eine Beziehung auf. Hinzu kam ein voller Tag für Fotoshootings. Und schließlich zwei Wochen, um das Profil einschließlich der Texte auf Cocuma zu erstellen.

„Wir lehnen die Unternehmen ab, deren Firmenkultur wir nicht glaubwürdig finden“, sagt Petr Skondrojanis. Er ist seit 24 Jahren im HR-Business. Dadurch lernte er den tschechischen Markt und zugleich die Unternehmen im Inneren kennen. Er glaubt unterscheiden zu können, welches Image echt oder nur Fassade ist. Bereits im ersten Jahr der Projektgründung, 2015, kamen die Unternehmen auf ihn zu, um präsentiert zu werden. Heute sucht ein sogenannter ‚Culture Scout‘ für ihn nach geeigneten Firmen – in Business Magazinen, bei Facebook oder LinkedIn.

Geht es am Ende nur um die gute Sache oder auch um Gewinn? „Natürlich soll Cocuma wirtschaftlich erfolgreich sein. Aber es geht uns nicht um das schnelle Geld“, sagt der Gründer, der noch weitere Projekte im HR-Bereich laufen hat. Und bald soll Cocuma auch wachsen. Ziel ist zunächst der slowakische Markt. Das Hauptziel bleibe aber, den Leuten tolle Firmen zu zeigen. „Und davon haben wir hier viele.“

Autor: Thea Windisch

Quelle des Beitragsbildes: Cocuma

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.