Einen neuen Markt schaffen

Nano-3D-Drucker kann Fälschungen aufdecken und eine neue Leber drucken. 

Nur so zum Spaß haben sie ein dreidimensionales Modell des Taj Mahal gedruckt. Mit dem Durchmesser eines menschlichen Haares. Die Firma IQ Structures, geleitet von Tomáš Těthal, ist eines der weltweit führenden Unternehmen im Nano-3D-Druck. Sie gehörte zu den ersten, die einen Drucker für die kleinsten Teilchen entwickelt hat, und schafft dafür global einen neuen Markt.

Wenn es um Bienen geht, wird Tomáš Těthal lebendig. „Das Bienenvolk tut im Wesentlichen das Gleiche wie wir. Sie haben eigentlich selber einen integrierten 3D-Drucker, der die Strukturen aus Wachs herstellt. Und der arbeitet mit einer Riesenpräzision“, sagt der begeisterte Imker mit einem Lächeln. Er hat einen Doktortitel in Nuklearchemie und leitet die Firma IQ Structures. Těthal ist ein Beweis dafür, dass man selbst innerhalb kurzer Zeit viel bewegen kann. Das Unternehmen gibt es erst seit fünf Jahren. Während dieser Zeit hat es IQ Structures jedoch vollbracht, gemeinsam mit Partnern unter anderem einen eigenen Nano-3D-Drucker zu entwickeln und mit Kunden auf der ganzen Welt einen neuen Markt zu schaffen.

„Wir wollen weltweit die Nummer Eins bei der Steuerung von Mikro- und Nanostrukturen sein, nicht nur in Bezug auf die Oberfläche von Materialien, sondern auch auf ihre Beschaffenheit im Inneren“, sagt Těthal und sieht darin einen wichtigen Unterschied zu anderen Nano-Unternehmen. IQ Structures kann dreidimensionale Strukturen mit einer Auflösung von Hunderten von Nanometern drucken. „Durch die Steuerung der Strukturen erhalten die Materialien neue Eigenschaften“, sagt Těthal. Das Unternehmen sei aber keine Akademie der Wissenschaften, sondern stelle seine Produkte nach Kundenwunsch her.

Fälschungssicherheit

Es gibt viele Bereiche, in denen man Nanotechnologie nutzen kann. Einer davon ist der Schutz gegen Fälschungen. Egal, ob es sich um gepanschten Alkohol oder verdünntes Benzin, gefälschte Banknoten oder Dokumente handelt. Der zweite Schwerpunkt sind technische Produkte, besonders die moderne Flachoptik.

„Hier geht es um die Ausrichtung von Beleuchtungssystemen, zum Beispiel im Bereich der Innenbeleuchtung von Geschäften oder Büros. Zielgruppe sind aber auch Unternehmen der Automobilbranche“, sagt Těthal. Weltweit gibt es nur ein paar Konkurrenten, die sich mit Flachoptik befassen. „Wir kennen jedoch niemanden, der das genauso macht wie wir“, ergänzt er. Für mikro- und nanostrukturierte Materialien gibt es aber noch eine ganze Reihe weiterer technischer Verwendungsmöglichkeiten: Sensoren der Zukunft, Mikromechanik oder neue Oberflächen für Katalyseprozesse und Elektroden. Dadurch werden völlig neue Materialien entstehen, die die gleichen Eigenschaften wie z. B. Metall oder Keramik haben, aufgrund der Nanostruktur jedoch viel leichter sind.

Tomáš Těthal, Managing Director IQ Structures. Bildquelle: IQ Structures

Die Leber aus dem Drucker

Der dritte Bereich, für den IQ Structures Lösungen schafft, ist die Biomedizin. Da klingt manches wie Science Fiction. „In Zukunft wird es etwa möglich sein, die Struktur, das Gerüst für ein Organ herzustellen. Darin werden körpereigene Zellen angesiedelt, die sich ‚eingewöhnen‘. Der Mensch wird dann kein Problem mehr mit Immunreaktionen nach einer Transplantation haben“, erklärt Těthal. Heute wird bereits Gewebeersatz für Knochen und Haut hergestellt, künftig wird man mit einem 3D-Drucker mit einer hohen Auflösung aber auch eine neue Leber herstellen können.

Über konkrete Kunden kann Těthal derzeit nicht sprechen, aber das „Interesse ist riesig, wir arbeiten mit großen Herstellern auf der ganzen Welt zusammen“, meint er. Die Hauptaufgaben, denen sich IQ Structures aktuell widmet, sind die Bereiche Flachoptik und Fälschungsschutz. Die Firma arbeitet jedoch auch weiterhin daran, die Qualität und Auflösung von 3D-Druckern zu perfektionieren und den Druckvorgang zu beschleunigen. „Wir haben Ideen, die wir jetzt patentieren, wie etwa einen 3D-Drucker, der tatsächlich in der Produktion eingesetzt wird. Die Arbeitsgeschwindigkeit wird von entscheidender Bedeutung sein“, ergänzt Těthal. So unterscheiden sich dann auch die modernen Drucker von den Bienen. Die Bienen seien zwar sehr präzise, aber doch eben recht langsam, lacht Těthal.

Autor: Pavla Francová

Quelle des ersten Beitragsbildes: IQ Structures

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