Gibt es eine mittelständische Unternehmenskultur?

Arthur Braun

Ganz sicher. Zunächst: Flachere Hierarchien, schnellere Entscheidungen, weniger Struktur. Dies kann ein Vorteil aber auch ein Nachteil sein. Meistens kennt der Chef die gesamte Wertschöpfungskette, die Kunden und seine Mitarbeiter und kann so flexibler reagieren und Kreativität fördern, ohne externe Berater und Start-Ups ins Haus zu holen. Wenn der Chef/die Chefin aber die falsche Person für die Stelle ist, so dauert ein Austausch oft sehr lange da er/sie oft noch Gesellschafter ist. Oft macht dies erst der Markt. (West)Deutscher Mittelstand hatte Jahrzehnte mehr Zeit sich zu entwickeln, ich sehe aber auch viele tschechische mittelständische Firmen sich in die richtige Richtung entwickeln, jetzt muss nur der Generationenwechsel gelingen.

Arthur Braun, M. A
Rechtsanwalt, Managing Partner
bpv Braun Partners



Alice Kubíčková

Unternehmenskultur ist ein Puzzle, das von jedem Unternehmen selbst zusammengesetzt wird. Alle Unternehmen, egal ob klein, mittel oder groß, haben eine eigene Unternehmenskultur. Der Vorteil von kleinen und mittleren Unternehmen ist eine gewisse Flexibilität beim Aufbau der Unternehmenskultur. Ein Unternehmen mit einer kleineren Mitarbeiterzahl kann besser auf die individuellen Bedürfnisse der Belegschaft eingehen und so ein angenehmes Umfeld schaffen, in dem die Mitarbeiter zufrieden sind. Positiv für die „Großen“ ist jedoch, dass auch sie ihre verknöcherten Strukturen und Leitlinien aufbrechen und moderne U-Kulturen mit einer entspannten und freundlichen Atmosphäre aufbauen, in der sich jeder Mitarbeiter als Teil des Teams fühlt und zum Aufbau einer fortschrittlichen Arbeitsweise und -atmosphäre beitragen kann.

Alice Kubíčková
Direktorin

Komora právní odpovědnosti


Vladislav Sywala

Familienunternehmen haben eine ganz eigene Unternehmenskultur, die sich durch eine hohe Loyalität der Mitarbeiter gegenüber dem Eigentümer auszeichnet. Die Fluktuation von Mitarbeitern ist daher gering, viele von ihnen arbeiten 20 Jahre und länger für das Unternehmen. Unser Geschäft ist konservativ und langfristig – wie unsere Beziehungen zu den Kunden. Den heimischen Markt kennen wir gut, schon lange erzielen wir überdurchschnittliche Ergebnisse. Dadurch sind viele Mitarbeiter zufrieden, aber auch resistent gegenüber Veränderungen. Um wettbewerbsfähig und rentabel zu bleiben, muss man in einem harten Wettbewerb ständig an einer Atmosphäre von Anspruch, Engagement und Flexibilität arbeiten. Dem Gefühl, dass doch eigentlich alles in Ordnung ist, müssen wir vorbeugen. Denn die Lage kann sich jederzeit ändern. Menschen werden schnell bequem.

Vladislav Sywala
Managing Director Messer Technogas


Jiří Voda

Der Bereich des Insolvenzrechtes entwickelt sich dynamisch für alle prozessualen Subjekte – sowohl für die Gläubiger, Schuldner, Insolvenzverwalter, als auch für die Rechtsanwälte. Unsere Kanzlei widmet sich dem Insolvenzrecht von allen diesen Seiten. Dies erfordert, dass ein funktionierendes und kooperierendes Team gebildet wird, welches auf die einzelnen Gebiete spezialisiert wird. Gegenüber den Firmen mit hoher Anzahl von Arbeitnehmern haben wir Vorteil der Fähigkeit schneller Entscheidungen und individuell zugeschnittener Zutritt. Alle Mitglieder des Teams in den eigenen Gebieten haben persönlicher Kontakt mit den Mandanten oder mit den Schuldnern. Es kann keinem Mitglied des Teams passieren, dass es zwischen den „Papieren“ verloren wird. Dadurch sind alle Mitglieder des Teams in das Leben der Firma und in die Lösung der Probleme der Mandanten oder der Schuldner eingezogen. In unserer Kanzlei herrscht daher ein aktiver und lebhafter Geist.

Jiří Voda
AK Voda s.r.o.


Jörg Wiederhold

Ein wesentliches Merkmal des Mittelstands ist die Teilnahme maßgebender Gesellschafter an der operativen Geschäftsführung. Vergleiche ich meine so definierten mittelständischen Klienten mit den „Großen“, die ausschließlich angestellte Geschäftsführer haben, fällt mir auf, dass bei den Mittelständlern oft viel stärkere Bindungen zum Unternehmen bestehen. Und dies nicht nur seitens der Mitarbeiter, sondern auch bei Kunden und Lieferanten. Dass dies in Zeiten quälender Arbeitskräfteknappheit im Wettbewerb ein entscheidender Vorteil ist, liegt auf der Hand. Hinzu kommen die kürzeren Entscheidungswege, ist doch der letztentscheidende Eigentümer gleichzeitig Geschäftsführer und damit leichter greifbar. Für mich zwei wichtige Merkmale mittelständischer Unternehmenskultur.

 Jörg Wiederhold
Partner – Leader German Desk
Deloitte Audit


Roman Žák

Wir befassen uns mit Digitalisierung, die abstrakt erscheinen mag. Aber ihr wichtigstes Element sind Menschen. Wir denken darüber nach, wie wir unseren Kunden die Arbeit erleichtern können. Unser Team besteht aus multidisziplinären Experten: für IT-Infrastruktur, Systeme, Produktionstechnik und Logistik bis zum Management globaler Projekte. Daher sollte man nicht nur neue Kollegen gewinnen, sondern bestehende Mitarbeiter auch langfristig motivieren. Das gelingt uns: 31% sind bei uns länger als fünf Jahre, seit 2013 sind wir um 100 % gewachsen. Wir suchen solche Kollegen aus, die unsere Werte und Mission – nützlich zu sein – teilen. Am meisten freue ich mich über den Respekt, den wir voreinander und gegenüber unserer Arbeit haben. Wir haben eine authentische Mikrowelt geschaffen, in der wir sinnvolle Arbeit machen, die uns Spaß macht. Und noch dazu finden wir hier Freunde.

Roman Žák
Vorstandsvorsitzender
Aimtec

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