Künstliche Intelligenz – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen

Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) hat einen Wandel eingeleitet. Sie ist eine der starken Antriebskräfte der digitalen Revolution. Lernfähige Roboter übernehmen alltägliche Aufgaben, steuern Maschinen und Fahrzeuge und „malochen“ in der Produktion. Drei Fragen zur künstlichen Intelligenz beantwortet Michal Pěchouček, Professor für Computerwissenschaften an der Prager Technischen Universität und KI-Experte.

Was halten Sie für das Beste, was künstliche Intelligenz der Mobilität bringen kann?
Die Menschen verbringen weniger Zeit mit Mobilität und können ihre Zeit effektiver nutzen. Künstliche Intelligenz bringt ihnen auch mehr Freiheit, sie sind flexibler. Das ist das ultimative Ziel. Und natürlich sollten wir auch an den Transport von Waren denken. Künstliche Intelligenz hilft auch hier dabei, die Effektivität zu steigern, im Ergebnis fallen weniger Kosten für Logistik an. Ein weiterer Punkt ist die Sicherheit: In dem Moment, wo wir autonome Fahrzeuge einführen und den Menschen aus dieser Gleichung herausnehmen, wird es natürlich viel weniger Verkehrsunfälle und Verkehrstote geben. Das ist ein großer Vorteil. Künstliche Intelligenz, Mobilität und Sicherheit sind drei Themenbereiche, die sich überschneiden und gegenseitig beeinflussen.

Was werden Roboter bzw. AI-gesteuerte Geräte nie so gut können wie der Mensch?
Ich gehöre nicht zu den Fachleuten, die davon ausgehen, dass künstliche Intelligenz alle menschlichen Tätigkeiten übernehmen und den Menschen völlig ersetzen kann. Ich nehme aber an, dass künstliche Intelligenz den gesamten Arbeitsmarkt aufspalten wird – in Arbeit, die Roboter und Computer erledigen und in Arbeit, die für Menschen besser geeignet ist. Es wird immer Arbeitsbereiche geben, in denen es zu einem zwischenmenschlichen Kontakt kommt, für die man soziale Intelligenz und Interaktion benötigt. Dort werden die Menschen immer unersetzbar sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass zum Beispiel im Gastgewerbe oder im Bereich des Sozialen Roboter dominieren werden. Die Kunden oder Patienten werden hier immer menschliche Kontakte und Einfühlungsvermögen verlangen.

Wie sieht das Worst-Case-Szenario in einer von künstlicher Intelligenz dominierten Welt aus?
Das Schlimmste wäre wohl, wenn die Gesellschaft nicht in der Lage ist, sich auf den Wandel am Arbeitsmarkt vorzubereiten. Es wird erwartet, dass innerhalb der nächsten 20 Jahre jeder zweite Arbeitsplatz verschwindet. Die Gesellschaft muss sich umorientieren und neue „Jobs“ ausdenken. Das Sozialsystem muss dahingehend geändert werden, dass die gesamte Gesellschaft vom Reichtum oder dem BIP profitieren kann. Denn das wird dann nur noch von einer begrenzten Gruppe von Menschen und Robotern generiert. Anderenfalls zerbricht die Gesellschaft. Der soziale Zusammenhalt geht verloren und es wird problematisch, den technologischen und zivilisatorischen Fortschritt zu halten. Das schlimmsten aller Szenarien, das ich befürchte, ist also, dass wir uns nicht für den Wandel der Arbeitswelt wappnen. Aus technischer Sicht kann die zunehmende Gefahr von Cyber-Attacken zum Worst Case führen. Die Anfälligkeit für solche Angriffe macht die Zivilisation zunehmend verwundbar. Das sehen wir auch schon heute bei der Manipulation von Wahlergebnissen.


prof. Dr. Michal Pěchouček, MSc.

Professor an der TU Prag (ČVUT), Leiter des Lehrstuhls für Computerwissenschaften an der Fakultät für Elektrotechnik (FEL)

Gründer und Leiter des Zentrums für künstliche Intelligenz (FEL, CTU)

wissenschaftliche Aktivitäten an Universitäten in den USA, Großbritannien und Kanada

Mitbegründer der Startups AgentFly Technologies, BlindSpot Solutions und Cognitive Security, das 2013 von Cisco Systems gekauft wurde

Direktor des Cisco Systems F&E AI Zentrum für Bedrohungsanalyse (2013-2016)

wissenschaftliche Tätigkeit hauptsächlich auf dem Gebiet der Multiagentensysteme, deren Modellierung, Simulation sowie Planung

2010 Preis: „Der tschechische Kopf für Invention“

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