Medizin aus dem Drucker

Invent Medical kann „maßgeschneidert“ Orthesen und Prothesen drucken

Startups werden nicht oft von Vater und Sohn geleitet. Invent Medical aus Ostrava liefert den Beweis, dass die Kombination aus Erfahrung und jugendlichem Temperament funktioniert. Das junge Unternehmen hat eine digitale Lösung zur individuellen Herstellung von Orthesen und Prothesen entwickelt. Dank dem 3D-Druck kann sie weltweit genutzt werden.

Jiří Rosický und sein Sohn Jan haben kühne Ambitionen. Mit ihrem Startup Invent Medical wollen sie zum Weltmarktführer aufsteigen. Die Zeichen stehen sehr gut. Die Firma aus Ostrava, die beide vor drei Jahren gegründet haben, nutzt zur Entwicklung und Herstellung von Orthesen und Prothesen die Technik des 2D/3D-Scannens, eine Grafik-Software für die Modellierung und den 3D-Druck für die Produktion. „Unsere Vision ist es, eine neue Generation individuell gestalteter Orthesen und Prothesen auf den Markt zu bringen, die überall auf der Welt verfügbar ist. Vom Entwurf bis zum Produkt wird der ganze Prozess digital ablaufen“, erklärt Jiří Rosický.

 Auch Design heilt

Die medizinischen Hilfsmittel werden auf jeden einzelnen Patienten abgestimmt. Er kann sogar das Aussehen mitbestimmen, die Farbe auswählen oder das Design mitgestalten – zum Beispiel mit Motiven aus seinem Lieblingsfilm. „Wir wollen Patienten, die schwere Zeiten durchmachen, weil sie einen Arm oder ein Bein verloren haben, einen umfassenden Service bieten. Und sie ein Stück weit aufbauen, indem wir sie zu Mitgestaltern ihrer neuen Gliedmaßen machen“, so Jan Rosický gegenüber dem Onlinemagazin „Peak.cz“.

Im Mai 2018 stellte die Firma ihre digitalen Lösungen auf der OTWorld in Leipzig vor, der internationalen Leitmesse für Prothetik und Orthopädietechnik. Ins weltweite Geschäft will sie im September dieses Jahres einsteigen – mit 3D-gedruckten orthopädischen Einlagen. In Leipzig präsentierte Invent Medical auch modellierbare Orthesen für Gliedmaßen oder deformierte Schädel von Kindern. „Das Echo darauf war gewaltig. Das spornt uns an, diese Produkte innerhalb der nächsten zehn Monate auf den Markt zu bringen“, erklärt Jiří Rosický die weiteren Pläne. In Tschechien werden die gedruckten Hilfsmittel bereits seit einigen Monaten getestet.

Markt ohne Grenzen

Die Rosickýs wollen mit ihren Produkten in die Welt hinaus. „Unsere Lösungen basieren auf digitalen Daten, und die kennen keine geografischen Grenzen. Die eigentliche Herstellung der Orthesen und Prothesen soll vor Ort über Partner ablaufen, die sich mit 3D-Druck befassen. Deshalb ist jedes Land auf der Welt ein potentieller Markt für uns“, erklärt der Seniorchef. Wegen der Kosten für den 3D-Druck konzentriert sich die Firma zunächst auf die EU, die USA, Kanada und den Nahen Osten. In der Praxis läuft das dann so: Eine Klinik im Ausland scannt den Patienten, Invent Medical verarbeitet die Daten und entwirft mithilfe seines Algorithmus die Prothese oder Orthese. Mit diesen Daten kann der ausländische Partner das Produkt dann ausdrucken.

Jiří und Jan Rosický kennen die medizinische Branche. Invent Medical entstand als Spin-off der Gesellschaft ING Corporation, die von Jiří Rosický geleitet wird und über langjährige Erfahrung mit der traditionellen Herstellung von medizinischen Hilfsmitteln verfügt. „Jetzt liegt es an uns, ob wir die Digitalisierung unserer Branche mitgestalten“, sagt Jiří Rosický. Für das Führungstandem mit seinem Sohn Jan findet er nur lobende Worte: „Das Zusammenspiel von Erfahrung und der jugendlichen ´Torgefährlichkeit´ zahlt sich absolut aus.“ Der Sohn kümmert sich um Business Development und Marketing, der Vater konzentriert sich vor allem auf die klinische und technische Entwicklung sowie den Einsatz digitaler Technologien. „Wir wollen in Sachen Innovation weltweit an der Spitze stehen und eine neue Richtung vorgeben, wohin sich unsere Branche entwickeln könnte“, gibt Jiří Rosický das Ziel vor und fügt hinzu: „Die Messe in Leipzig hat uns gezeigt: Wir sind auf einem vielversprechenden Weg, die Nachfrage nach neuen Ideen ist groß.“

Autorin: Pavla Francová

Bildquelle: Invent Medical

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