Ausbildung ist Chefsache

Ein Unternehmen für Fertighäuser will langfristig in Tschechien bleiben – und nimmt die Ausbildung in die eigene Hand.

Sebastian Stachorra

Die Mutter sitzt in Deutschland, die Tochter produziert in Tschechien. Noch immer ist das eine häufige Kombination, so auch beim Hersteller von Fertighäusern DFH Haus. Nachfrage und Absatz, Entwicklung und Design kommen aus Deutschland, doch der Standort Tschechien kann seine eigenen Erfolge vorweisen.

Der Erfolg eines Unternehmens muss nicht „nur“ in steigenden Umsätzen und prestigeträchtigen Awards liegen. Erfolg ist auch, wenn man beharrlich Widerstände überwindet, um langfristig den Standort zu sichern. So lässt sich beschreiben, was DFH Haus CZ in Žákava, Region Pilsen, im Bereich Ausbildung unternimmt. Wie in ganz Tschechien ist auch hier der Arbeitsmarkt leergefegt, allein den Mitarbeiterstamm zu halten ist mühsam. Für DFH Haus CZ heißt das: zusätzliche personelle Kapazität wird kurzfristig durch Leiharbeiter abgedeckt. Im letzten Jahr haben die 224 festen Mitarbeiter der Firma mehr als 550 Häuser gebaut, der Umsatz lag bei 31 Mio. Euro. Leiharbeit ist aber gerade im Handwerk keine Dauerlösung. Es braucht nachhaltig gut ausgebildetes tschechisches Personal.

„In der Ausbildung müssen wir alles selbst machen“, meint Geschäftsführer Daniel Krämer. Dual angelegte staatliche Konzepte der beruflichen Ausbildung gebe es nicht. DFH Haus CZ kooperiert daher selbst mit Grund- und Fachschulen, bietet AGs und Praktika an, fördert Schüler mit Stipendien und garantiert Absolventen bis zu fünf Arbeitsplätze jährlich.

Die Politik tut sich schwer …

Die Forderung der Wirtschaft nach einem praxisorientierten Ausbildungssystem werden von der Politik zwar gehört. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Pospolu. Von 2013 bis 2015 wurde ein Konzept für die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen erarbeitet, DFH Haus CZ war einer der Partner. Am Ende vieler Sitzungen und langwieriger Arbeit stand eine Din A4-Seite mit konkreten Maßnahmen. Und dann? Das Projekt verschwand in einer Schublade und blieb auch dort. „Eigentlich haben wir nur noch einmal dokumentiert, was wir ohnehin machen“, so Krämer enttäuscht. Dennoch sieht der 40-Jährige auch eine gewisse Mitschuld bei den Unternehmen, die einen Teil der Verantwortung übernehmen müssten: „Dazu gehört, sich langfristig zu Engagement zu verpflichten – auch in Krisenzeiten.“

Immerhin, derzeit tut sich etwas. Im Mährisch-Schlesischen Kreis erprobt man zum Beispiel ein duales Pilotprojekt, diese Anregung scheint die Regierung aufnehmen zu wollen. Ob das Projekt von mehr Erfolg gekrönt wird, bleibt abzuwarten.

 … also macht es DFH Haus CZ selbst …

Daniel Krämer, Geschäftsführer DFH Haus CZ

Bis dahin bleiben Unternehmen wie DFH Haus CZ Einzelkämpfer. „Die Erfolge sind bescheiden, aber man darf nicht aufgeben“, gibt Krämer zu. Die Nachfrage nach Fertighäusern steigt, besonders in Deutschland, die Kapazität des Standortes soll durch Modernisierung der Produktionsanlagen kräftig wachsen. Krämer betont, dass seine Mitarbeiter in Žákava qualitativ hochwertig arbeiten und die ausgelieferten Häuser keinen Vergleich mit deutschen Herstellern scheuen – aber die Automatisierung werde auch das eigene Geschäft verändern. „Wenn in den nächsten Jahren die Maschinen komplizierter werden, brauchen wir geschulte Leute von der Baumittelfachschule in Pilsen bzw. müssen unsere eigenen Mitarbeiter dafür qualifizieren. Deswegen binden wir schon die Schüler bei uns in die Praxis ein“.

Derzeit schafft es DFH Haus CZ nicht, die jährlich fünf garantierten Arbeitsplätze mit jungen Menschen zu besetzen. Das hat auch mit dem Image des Handwerks zu tun. Krämer nennt es „angestaubt“, gerade in den Köpfen der Eltern. Er muss auch sie überzeugen, dass ihre Kinder als Zimmerer und Tischler eine gute Zukunft haben.

… und überwindet Widerstände

Deswegen bietet das Unternehmen schon in zwei Grundschulen für Schüler der sechsten bis achten Klasse eine AG an. Angeleitet von DFH-Meistern bauen die Kinder Holzuhren, Gewürzregale oder Taschenlampen. Die Bausätze dafür kauft Krämer bei Winkler Schulbedarf in Deutschland – in Tschechien gebe es keine Firma, die sich auf solches Material spezialisiere. Dabei seien die Schüler begeistert, wenn sie ihr erstes „Tischlerprodukt“ mit nach Hause nehmen könnten und vielleicht ihr handwerkliches Talent entdecken. Und vielleicht findet DFH Haus CZ dadurch später leichter einen neuen Mitarbeiter. Es ist ein „long-shot“, aber das Beste, was die Firma derzeit tun kann.