{"id":1171,"date":"2018-02-26T15:00:27","date_gmt":"2018-02-26T14:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/emagazin.plus\/?p=1171"},"modified":"2020-03-26T14:49:06","modified_gmt":"2020-03-26T13:49:06","slug":"kmu-tschechien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/emagazin.plus\/cz\/kmu-tschechien\/","title":{"rendered":"R\u00fcckgrat des b\u00f6hmischen Wirtschaftswunders"},"content":{"rendered":"<p>\u201eSmall is beautiful\u201c \u2013 der ber\u00fchmte Buchtitel des \u00d6konomen Ernst Friedrich Schumacher k\u00f6nnte auch gut auf Tschechien passen. \u00c4hnlich wie Deutschland ist es ein klassisches Mittelstandsland; 99,8 Prozent aller Unternehmen fallen unter die EU-Definition f\u00fcr kleine und mittelst\u00e4ndische Betriebe (KMU). F\u00fcr 2016 ermittelte Eurostat eine Millionen KMU, die gro\u00dfe Mehrheit davon waren Ich-AGs und Kleinstbetriebe mit maximal neun Mitarbeitern. Bei wichtigen Indikatoren wie dem Anteil an der Gesamtwertsch\u00f6pfung (55 Prozent) und an der Gesamtbesch\u00e4ftigung (67 Prozent) erzielen Tschechiens KMU \u00e4hnliche Werte wie der Durchschnitt der 28 EU-L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Dennoch haben die vielen kleinen Unternehmen gegen\u00fcber Gro\u00dfbetrieben in manchen Punkten das Nachsehen. Ihr Anteil an Tschechiens Gesamtexporten zum Beispiel erreicht kaum ein Drittel. Bei der Wertsch\u00f6pfung fallen sie ebenfalls zur\u00fcck. Nach Analysen der EU-Kommission kamen KMU hier zwischen 2012 und 2016 auf einen Zuwachs von knapp zehn Prozent. Gro\u00dfunternehmen mit 250 und mehr Besch\u00e4ftigten steigerten ihre Wertsch\u00f6pfung im gleichen Zeitraum um 16 Prozent. Auch bei der Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze geben Gro\u00dfbetriebe den Takt vor, w\u00e4hrend die KMU ihre Mitarbeiterzahl in den letzten Jahren lediglich stabil hielten. Eine \u00e4hnliche Stagnation gab es bei den Investitionen.<\/p>\n<p>Die schwache Performance bei diesen Kennziffern liegt daran, dass besonders die Boombranche Automobilindustrie von gro\u00dfen Unternehmen dominiert wird. Hier haben selbst die Zulieferer oft \u00fcber 250 Besch\u00e4ftigte oder erreichen Ums\u00e4tze von mehr als 50 Millionen Euro und gelten damit nicht mehr als Mittelst\u00e4ndler. Der steile Anstieg der Wertsch\u00f6pfung und der Besch\u00e4ftigung in diesem Wirtschaftszweig taucht damit in der KMU-Statistik nicht auf.<\/p>\n<p><strong>Viel Wachstum im IT- und Transportsektor<\/strong><\/p>\n<p>Zu den Wachstumsbranchen f\u00fcr kleinere und mittlere Unternehmen in Tschechien geh\u00f6ren stattdessen der IT- und der Logistiksektor. B\u00f6hmens und M\u00e4hrens Softwarehersteller profitieren von der globalen Nachfrage nach Programmierdiensten. Spediteure und Lagerverwalter wiederum sind gefragt, weil die Transportstr\u00f6me dank des Wirtschaftsaufschwungs steigen.<\/p>\n<p>Die Zahl neuer Firmenanmeldungen in Tschechien ist 2016 zum f\u00fcnften Mal in Folge gestiegen; laut Wirtschaftsauskunftei Bisnode wurden fast 29.000 neue Gesellschaften registriert. Das Procedere f\u00fcr eine Gesch\u00e4ftsgr\u00fcndung gilt als relativ einfach und ist innerhalb von zwei Monaten erledigt. Als Stammkapital f\u00fcr eine GmbH reicht eine Krone. Gr\u00fcnder finden also ein gutes Umfeld vor, weshalb auch die EU-Kommission viel Anerkennung f\u00fcr Tschechiens Mittelstand hat. Nach Einsch\u00e4tzung der Br\u00fcsseler Beamten liegt das Land bei der staatlichen Unterst\u00fctzung f\u00fcr die kleinen und mittelgro\u00dfen Betriebe, beim Zugang zu Finanzmitteln sowie beim Ausbildungsniveau und der Innovationskraft \u00fcber dem europ\u00e4ischen Durchschnitt.<\/p>\n<p>Theoretisch k\u00f6nnen KMU in Tschechien dank der prall gef\u00fcllten EU-Fonds aus dem Vollen sch\u00f6pfen \u2013 wenn sie den b\u00fcrokratischen Aufwand der Antragstellung und die Nachweispflichten zur Mittelverwendung nicht scheuen. Wichtigste Finanzquelle ist das Operationelle Programm \u201eUnternehmen und Innovation f\u00fcr Konkurrenzf\u00e4higkeit\u201c (OPPIK). Darin ist die Achse 2 f\u00fcr die Unterst\u00fctzung von kleinen und mittleren Unternehmen vorgesehen. Im aktuellen Programmzeitraum 2014 bis 2020 stehen fast 900 Millionen Euro aus Br\u00fcssel zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Aus dem Programm OPPIK wird demn\u00e4chst auch der Nationale Innovationsfonds NIF gespeist, der sich an technologische Start-ups in der Fr\u00fchphase ihrer Entwicklung richtet. Der Fonds soll im 2. Quartal 2018 seine Arbeit aufnehmen, den jungen Firmen Seed-Kapital bereitstellen und ihnen unter dem Dach von Inkubatoren Starthilfe geben.<\/p>\n<p><strong>Zu wenig gesellschaftliche Anerkennung f\u00fcr Gr\u00fcnder<\/strong><\/p>\n<p>Nachholbedarf f\u00fcr die Mittelstandsszene in Tschechien sieht die EU-Kommission beim Unternehmergeist und der \u00f6ffentlichen Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr unternehmerische Initiative. Gr\u00fcnder f\u00e4nden noch zu wenig gesellschaftliche Anerkennung. Ebenso seien die administrativen H\u00fcrden im Gesch\u00e4ftsalltag hoch, die Umsetzung von E-Government komme nur schleppend voran und sogenannte One-Stop-Shops, bei denen mehrere Verwaltungsvorg\u00e4nge unter einem Dach erledigt werden k\u00f6nnen, seien immer noch rar. Viel Potenzial f\u00fcr eine bessere Entwicklung des tschechischen Mittelstandes sieht die EU-Kommission au\u00dferdem in der F\u00f6rderung von Auslandsaktivit\u00e4ten. Die KMU sollten sich mehr als bislang um Exportauftr\u00e4ge bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr baut das Wirtschaftsministerium unter anderem das Auslandsnetz von CzechTrade aus. Die staatliche Gesellschaft ist bereits an \u00fcber 50 Standorten auf allen f\u00fcnf Kontinenten vertreten. Besonders Deutschland ist dabei als Absatzregion interessant, best\u00e4tigt Adam Jare\u0161, der das B\u00fcro von CzechTrade in D\u00fcsseldorf leitet \u2013 der erfolgreichsten Au\u00dfenstelle der Agentur. Jare\u0161\u2018 Team hilft tschechischen Firmen bei der Erschlie\u00dfung des deutschen Marktes, vermittelt Gesch\u00e4ftskontakte, informiert \u00fcber die Rahmenbedingungen, sucht Lieferanten und Abnehmer. \u201eWir haben allein 2017 rund 300 Unternehmen betreut, so viele wie nie zuvor\u201c, berichtet Jare\u0161. \u201eDrei Viertel davon waren KMU.\u201c<\/p>\n<p>Die Firmen kommen h\u00e4ufig aus den Branchen Maschinenbau, Elektronik und Kunststoffverarbeitung und suchen Handelsvertreter f\u00fcr ihre Produkte in Deutschland. \u201eBeim Erstkontakt ist die Sprachbarriere ein gro\u00dfes Problem f\u00fcr die kleinen Unternehmen\u201c, erz\u00e4hlt der B\u00fcroleiter. Die wenigsten Firmengr\u00fcnder k\u00f6nnen Deutsch, und Englisch wollen die deutschen Gesch\u00e4ftspartner meist nicht sprechen. CzechTrade hilft in der Anfangsphase, die Barriere zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Deutschland ist f\u00fcr tschechische KMU auch deshalb interessant, \u201eweil dort zahlreiche internationale Leitmessen stattfinden, bei denen die Unternehmen Kunden aus aller Welt treffen k\u00f6nnen\u201c, sagt Berater Jare\u0161. CzechTrade und das Prager Wirtschaftsministerium haben tschechische Unternehmen deshalb 2017 bei der Teilnahme an 27 Messen in Deutschland unterst\u00fctzt. Weltweit wurden 146 Messen gef\u00f6rdert, um mittelst\u00e4ndischen Firmen beim Sprung auf die Auslandsm\u00e4rkte zu helfen.<\/p>\n<p><strong>Deutschland beliebtestes Auslandsziel der KMU<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDeutschland ist aber klar das beliebteste Exportland f\u00fcr unsere kleinen und mittelst\u00e4ndischen Betriebe\u201c, sagt der D\u00fcsseldorfer CzechTrade-Direktor Jare\u0161. \u201eDer Markt ist in der N\u00e4he, die kulturellen Gemeinsamkeiten gro\u00df und die Kaufkraft sehr stark.\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es f\u00fcr die tschechischen Firmen nicht immer einfach, sich auf dem sehr wettbewerbsstarken deutschen Markt zu behaupten. Sie treffen dort auf erfahrene Konkurrenz, die sie so massiv aus der Heimat nicht kennen. W\u00e4hrend besonders im Westen der Bundesrepublik die mittelst\u00e4ndischen Unternehmen h\u00e4ufig auf eine lange Familientradition zur\u00fcckblicken k\u00f6nnen, begann die Historie der KMU in Tschechien erst in den 1990er Jahren. Vorher war privates Engagement in der Wirtschaft vier Jahrzehnte lang unerw\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Klassische Familienunternehmen, deren Historie mehrere Generationen zur\u00fcckreicht, sind also rar zwischen Liberec und Brno. Deshalb versucht Tschechiens Mittelstandsvereinigung AMSP, die Familienbetriebe 2018 mit einer Sonderkampagne ins Rampenlicht zu r\u00fccken. Denn laut Verbandsvorsitzenden Karel Havl\u00ed\u010dek sind sie \u201ewiderstandsf\u00e4higer in Krisenzeiten, sorgen f\u00fcr Besch\u00e4ftigung im l\u00e4ndlichen Raum und zeigen viel soziale Verantwortung an ihren Produktionsstandorten\u201c. Ein Ziel des Verbandes ist es, den Terminus \u201eFamilienunternehmen\u201c gesetzlich zu verankern.<\/p>\n<p>In Tschechien sind laut Wirtschaftszeitung Hospod\u00e1\u0159sk\u00e9 noviny 87 Prozent aller Unternehmen familiengef\u00fchrt. Sie tragen ein Viertel zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Prager Equa Bank organisiert regelm\u00e4\u00dfig den Wettbewerb \u201eFamilienfirma des Jahres\u201c, der einen guten \u00dcberblick zur Vielfalt der Unternehmenslandschaft bietet. Preistr\u00e4ger 2017 war der Prager M\u00fcslihersteller Emco. Firmengr\u00fcnder Zden\u011bk Jahoda hatte 1990 mit dem Handel von Textilmaschinen gestartet. Sp\u00e4ter importierte er Zerealien, bevor mit einem einfachen K\u00fcchenbackofen die Eigenproduktion von Getreideprodukten begann. Heute besch\u00e4ftigt Emco \u00fcber 200 Mitarbeiter und liefert M\u00fcslis, Breie, Riegel oder Haferflocken in 45 L\u00e4nder. Auch Jahodas Frau und seine Kinder engagieren sich in dem Familienunternehmen.<\/p>\n<p><strong>Tom\u00e1\u0161 Ba\u0165a als Vorbild f\u00fcr Familienunternehmen<\/strong><\/p>\n<p>Ein Zitat des Urvaters aller tschechischen Familienunternehmen, Tom\u00e1\u0161 Ba\u0165a, hat sich Miroslav Kri\u0161tof auf die Fahnen geschrieben: \u201eBei einem guten Gesch\u00e4ft sind alle Teilnehmer zufrieden\u201c, steht auf der Webseite seines Unternehmens Lorika. Der Handelsbetrieb aus Olomouc ist spezialisiert auf Hygieneartikel f\u00fcr Restaurants oder Hotels. Sechs von 30 Besch\u00e4ftigten geh\u00f6ren zu Kri\u0161tofs Familie. Beim Wettbewerb der Equa Bank landete Lorika 2017 auf Platz Eins der Kategorie \u201eKleine Unternehmen\u201c.<\/p>\n<p>Solche Familienbetriebe sind das \u201eR\u00fcckgrat jeder stabilen \u00d6konomie\u201c, unterstreicht Mittelstandslobbyist Havl\u00ed\u010dek. Zum Start des diesj\u00e4hrigen AMSP-Schwerpunktthemas sagte der Verbandsvorsitzende: \u201eFamilienunternehmen tragen eine gro\u00dfe Verantwortung f\u00fcr ihr Umfeld, sie respektieren Traditionen und unsere urspr\u00fcnglichen Produkte und kn\u00fcpfen daran an, was unsere Vorfahren geschaffen haben.\u201c Die Unterst\u00fctzung solcher Unternehmen zahle sich aus, da die Investitionen in den Regionen verbleiben und dort Wirkung entfalteten.<\/p>\n<p>Die AMSP will Verbraucher und Gro\u00dfkunden aus der Industrie \u00fcberzeugen, dass Kleinbetriebe in Familienhand zuverl\u00e4ssige und stabile Lieferanten sind. Einen solchen Familienbetrieb leitet auch Udo Tarnawski, der sich 2011 im \u00d6rtchen Jene\u010d westlich von Prag selbstst\u00e4ndig gemacht hat. Zusammen mit seiner Ehefrau f\u00fchrt er das Logistikunternehmen Tarn Log, vermittelt Lkw-Ladungen und Transporte von und nach Tschechien.<\/p>\n<p>Das Gesch\u00e4ftsumfeld im Land sieht Tarnawski positiv: \u201eDie Gr\u00fcndung der Firma war einfach und schnell erledigt, die Kosten sind \u00fcberschaubar und die B\u00fcrokratie f\u00fcr kleine Unternehmen h\u00e4lt sich in Grenzen.\u201c Der 47-J\u00e4hrige Bochumer hat seine B\u00fcror\u00e4ume im eigenen Haus untergebracht und die Buchhaltung ausgelagert. Mit dieser schlanken Struktur kann Tarn Log auch als Kleinstunternehmen gegen die gro\u00dfen Logistikdienstleister in Tschechien bestehen. Problem seien allerdings die langen Zahlungsfristen der Kunden und der schwierige Zugang zu Finanzierungen f\u00fcr kleine Unternehmen, erkl\u00e4rt Firmengr\u00fcnder Tarnawski.<\/p>\n<p><strong>Mangelnde Innovationskraft bereitet Sorgen<\/strong><\/p>\n<p>Dem Lobbyverband AMSP bereitet noch ein anderes Problem des Mittelstands Sorgen: die mangelnde Innovationskraft. Tschechien geh\u00f6rt mit Forschungsausgaben von rund zwei Prozent der Wirtschaftsleistung zwar zu den Vorreitern in Mittelosteuropa. Problem sei aber, dass es dabei von EU-Fonds abh\u00e4ngig sei, sagte AMSP-Vorsitzender Havl\u00ed\u010dek in einem Beitrag f\u00fcr die Tageszeitung Den\u00edk. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die Mittel in einigen Jahren nicht mehr zur Verf\u00fcgung stehen. Havl\u00ed\u010dek pl\u00e4diert f\u00fcr neue F\u00f6rderans\u00e4tze wie bessere Abschreibungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Forschungsausgaben oder die Vergabe g\u00fcnstiger Kredite. Aktuell seien die steuerlichen Regeln so unklar, sodass viele Firmen diese gar nicht nutzten.<\/p>\n<p>Auch bei wichtigen Zukunftsfragen wie Digitalisierung und Vernetzung der Produktionswelten haben KMU in Tschechien noch Nachholbedarf. Im Bericht zur Lage des Mittelstands konstatierte das Wirtschaftsministerium 2017, dass sie dem Trend Industrie 4.0 noch mit viel Misstrauen begegnen. Sie nutzten bislang kaum externe Beratung und Consultingdienste bei diesem wichtigen Zukunftsthema. Hier m\u00fcsse noch viel \u00dcberzeugungsarbeit geleistet werden, um Stereotypen zu \u00fcberwinden, schreiben die Autoren der Analyse. Das gilt auch f\u00fcr eine Digitalisierungsstrategie, \u00fcber die sich die Mehrheit der kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen noch keine Gedanken macht.<\/p>\n<p>Umfragen unter den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungen der Betriebe zeigen, dass f\u00fcr die Umsetzung einer Industrie-4.0-Strategie vor allem qualifiziertes Personal und Finanzressourcen fehlen. Dadurch k\u00f6nnte sich der technologische R\u00fcckstand zu gro\u00dfen internationalen Konzernen vergr\u00f6\u00dfern.<\/p>\n<p>Im Vorteil sind KMU, hinter denen finanzstarke Investoren und Mutterh\u00e4user aus Westeuropa stehen, die ohnehin das Internet der Dinge und die Vernetzung der Produktionsprozesse auf dem Schirm haben.<\/p>\n<p>Deutsche Mittelst\u00e4ndler nutzen Standortvorteile<\/p>\n<p>Die Wachstumschancen in Tschechien haben auch viele deutsche Mittelst\u00e4ndler in das \u00f6stliche Nachbarland gelockt. Dazu geh\u00f6rt die Deutsche Holzveredelung Schmeing aus Kirchhundem im Sauerland, die den Konstruktions- und Isolierwerkstoff Dehonit produziert. Das inhabergef\u00fchrte Familienunternehmen wurde 1934 im Sauerland gegr\u00fcndet und wird heute in der dritten Generation von den Br\u00fcdern Marc und Christian Schmeing geleitet.<\/p>\n<p>Vor \u00fcber 20 Jahren ist das Unternehmen nach Westb\u00f6hmen gegangen und hat in Sokolov einen Produktionsbetrieb f\u00fcr Vorprodukte und Halbfabrikate gegr\u00fcndet. \u201eDer Grund waren die g\u00fcnstigen Lohnkosten und die kurzen Wege zur Beschaffung von Rohstoffen\u201c, erz\u00e4hlt Marc Schmeing, der heute Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei der tschechischen Tochterfirma Dehonit-Falke ist.<\/p>\n<p>Die Rahmenbedingungen im Land sch\u00e4tzt Schmeing grunds\u00e4tzlich positiv ein. \u201eDie Infrastruktur hat sich gut entwickelt, Steuern und Arbeitsrecht sind auf europ\u00e4ischem Niveau, die Internetanbindung ist in Ordnung.\u201c Auch bei der Finanzierung gebe es heute \u2013 anders als vor 15 Jahren \u2013 keine Probleme mehr: \u201eDie Banken arbeiten sehr schnell und professionell.\u201c<\/p>\n<p>Trotzdem ist es f\u00fcr ein mittelst\u00e4ndisches Unternehmen nach Schmeings Erfahrungen in Tschechien nicht immer leicht, Gesch\u00e4fte zu machen. Die KMU im Land w\u00fcrden kaum wahrgenommen und unterst\u00fctzt. Zudem halte sich die B\u00fcrokratie sehr formell an Regularien und arbeite wenig ergebnisorientiert, so Schmeing. \u201eDa sind deutsche Beh\u00f6rden teilweise erheblich souver\u00e4ner.\u201c<\/p>\n<p><strong>Schwierige Suche nach Fachkr\u00e4ften<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Beschaffung technischer Ersatzteile, die Gewinnung von Fachkr\u00e4ften oder von guten Handwerkern kann in der Praxis Probleme bereiten, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. \u201eDas k\u00f6nnen wir dann h\u00e4ufig nur aus Deutschland sicherstellen.\u201c<\/p>\n<p>Die Personalgewinnung erweist sich f\u00fcr Dehonit-Falke als gr\u00f6\u00dfte Herausforderung in Tschechien. \u201eQualifizierte und engagierte Mitarbeiter zu finden und zu halten, wird immer schwerer\u201c, sagt Schmeing. \u201eBis vor zwei Jahren hatten wir in unserem Unternehmen fast keine Personalfluktuation. Das hat sich stark ge\u00e4ndert, insbesondere bedingt durch unsere grenznahe Lage zu Deutschland.\u201c Zudem habe sich die Qualit\u00e4t der Ausbildung, die handwerklichen und sprachlichen Kenntnisse in den letzten 15 Jahren kaum verbessert. \u201eHoffentlich r\u00e4cht sich das nicht in einigen Jahren.\u201c<\/p>\n<p>Das Sauerl\u00e4nder Unternehmen hat in Tschechien trotz der zuweilen schwierigen Marktbedingungen gro\u00dfe Zukunftspl\u00e4ne. Erst vor zwei Jahren wurde eine 6.000 Quadratmeter gro\u00dfe Halle erworben, um die Produktion auszuweiten. Doch eine finale Entscheidung dar\u00fcber ist noch nicht gefallen. \u201eZun\u00e4chst m\u00fcssen wir uns qualitativ weiterentwickeln\u201c, schr\u00e4nkt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Schmeing ein. \u201eIn den letzten zwei, drei Jahren sind unsere Kosten schneller als die Produktivit\u00e4t gewachsen. Das ist nicht gut.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gerit Schulze<\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/tschechien.ahk.de\/vertretungen\/germany-trade-invest\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Germany Trade &amp; Invest<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSmall is beautiful\u201c \u2013 der ber\u00fchmte Buchtitel des \u00d6konomen Ernst Friedrich Schumacher k\u00f6nnte auch gut auf Tschechien passen. \u00c4hnlich wie Deutschland ist es ein klassisches Mittelstandsland; 99,8 Prozent aller Unternehmen fallen unter die EU-Definition f\u00fcr kleine und mittelst\u00e4ndische Betriebe (KMU). F\u00fcr 2016 ermittelte Eurostat eine Millionen KMU, die gro\u00dfe Mehrheit davon waren Ich-AGs und Kleinstbetriebe mit maximal neun Mitarbeitern. 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