Kapseln der Zukunft

Miwa stößt eine kleine Revolution im Einzelhandel an und stärkt die Kreislaufwirtschaft 

Statt einfallsreicher, bunter Verpackungen werden in den Regalen der Supermärkte elegante Displays zu sehen sein. Die Waren „zapft“ man aus Hightech-Kapseln. Schon bald wird die junge Firma Miwa ihre Technologie in zwei Pilotprojekten testen.

Petr Báča schüttelt lächelnd den Kopf. Nein, seine Idee sei keine Sache von Aktivisten, dahinter stecke ein „richtiges Business“. Die vor vier Jahren gegründete Firma MIWA (Minimum Waste) will das bisherige System, wie Geschäfte und Produzenten funktionieren und wie Kunden einkaufen, auf den Kopf stellen.

Produktverpackungen will das Unternehmen durch spezielle 7- und 11-Liter-Mehrwegkapseln ersetzen. Die Hersteller befüllen sie mit ihren Produkten, wie Lebens- oder Reinigungsmitteln, und liefern sie an die Händler aus. Miwa hat es auf die gesamte Wertschöpfungskette abgesehen. Im Geschäft werden die Kapseln in ein spezielles Modul gelegt, eine Art Schrank, der mit den Kapseln kommunizieren kann. Anstelle der heutigen Produktregale sind in den Geschäften Displays installiert, auf denen die Logos des Herstellers und der Marke, Bilder, Infos über die Ware sowie Preis und ein Barcode erscheinen – alles, was auch heute auf den klassischen Verpackungen zu finden ist. „Der Kunde scannt den Code über eine App, wählt die gewünschte Menge an Haferflocken, Salz oder Katzenfutter und sieht direkt auf dem Handy den Endpreis“, erklärt Petr Báča. Aus der Kapsel wird die entsprechende Ware danach über ein Ventil in den mitgebrachten Behälter oder die Mehrwegverpackung geschüttet. Die leereen Kapseln werden anschließend gesäubert und gehen zurück an die Hersteller.

Klingt ein bisschen wie das Modell der sogenannten Unverpackt-Geschäfte. Solche Vergleiche lehnt Báča ab. „Wir stehen nicht für verpackungsfreies Einkaufen, sondern bringen eine Innovation, die auf den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft basiert. Unsere Verpackungen entstehen mit neuen Technologien und können fast bis in alle Ewigkeit verwendet werden. So wie ein Bierkasten“, meint Báča, bei dem sich viele Jahre alles um Verpackungen gedreht hat.

Vor 18 Jahren gründete er die Firma Cocoon, die sich mit Innovationen und dem Design von Verpackungen befasst. Zu ihren Kunden gehören Konzerne wie Procter & Gamble. Vor vier Jahren zog sich Báča aus dem Unternehmen zurück und begann sich immer mehr dafür zu interessieren, wie sich der Verpackungsmüll auf der Welt reduzieren lässt. „Mit kleinen Kindern habe ich gesehen, wie viel Abfall eine gewöhnliche Familie produziert. Und es wurde mir bewusst, dass das nicht richtig ist. Aber Recycling allein kann eben das Problem nicht lösen. Es darf gar nicht erst so viel Müll anfallen“, sagt Báča. Dass Miwa seine bisherigen Geschäfte kannibalisiert, glaubt er nicht. „Heutzutage ist die Verpackungsindustrie unglaublich ineffektiv. Miwa führt ein Verfahren ein, das umweltfreundlicher und sinnvoller ist. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Verschiebung nach vorn.“

Anfang September hat Miwa einen Showroom in der Prager Innenstadt eröffnet. Anfang nächsten Jahres sollen in Tschechien zwei Pilotprojekte starten. „Ein Geschäftsmodell ist regionalausgerichtet. Dabei liefern wir den Herstellern Verpackungen sozusagen als Dienstleistung, das heißt, Kapseln zum Befüllen, inklusive aller damit verbundenen Services. Gleichzeitig implementieren wir bei den Händlern die Hardware, damit sie die Ware im Geschäft direkt aus den Kapseln verkaufen können“, erklärt Báča. Das zweite Modell basiert auf der Zusammenarbeit mit den Handelsketten. „Wir wollen, dass unser System als komplexe Lösung vom Einkauf über Logistik bis zum Verkauf integriert wird“, so Báča.

Ob das Modell die Handelsketten und Hersteller überzeugt, wird sich zeigen. Klar ist: Verpackungen haben in der heutigen Zeit eine enorme Marketingfunktion. Und die Verhandlungen mit den „Big Playern“ laufen erst an. Zumindest als gutes Zeichen kann der Miwa-Sieg beim internationalen Wettbewerb „New Plastics Economy Innovation“ gewertet werden. Denn in der Jury saßen auch ganz Große wie PepsiCo oder Marks & Spencer. Also potentielle Kunden für Miwa. Ob sich die Hightech-Kapseln durchsetzen, das entscheidet am Ende der Kunde.

Autorin: Pavla Francová

Bildquelle: Miwa

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