Mitteleuropas wichtigstes Bahnprojekt nimmt Fahrt auf

Gerit Schulze | Germany Trade & Invest

Es wäre ein großer Fortschritt für den Verkehr zwischen Tschechien und Deutschland. Der Ausbau der Eisenbahnstrecke von Prag nach Dresden mit zwei längeren Tunnelbauten halbiert die Reisezeit auf eine Stunde. Das Nadelöhr Elbtal wäre entlastet, die Kapazitäten für Personen- und Güterzüge stiegen deutlich.

Die Neubaustrecke Dresden-Prag gilt als eines der wichtigsten grenzüberschreitenden Bahnvorhaben in Mitteleuropa. Sie ist Teil des europäischen Kernnetzkorridors Rhein-Donau. Züge von Berlin nach Wien wären dann nur noch vier Stunden unterwegs (heute über acht Stunden). Während durch das Elbtal heute rund 120 Züge am Tag fahren, könnten die Neubaustrecke 150 Züge passieren. Die derzeitige Strecke soll parallel weiterbetrieben werden, sodass deutlich mehr Kapazitäten für den Güterverkehr zur Verfügung stünden.

Auch für den Güterverkehr zwischen Tschechien und Deutschland biete der Tunnel neue Möglichkeiten, erklärte der scheidende stellvertredende Verkehrsminister Václav Bernard , bei einer Infoveranstaltung im Prager Verbindungsbüro des Freistaats Sachsen. „Eine gute Anbindung an die Häfen Hamburg, Bremen und Rostock ist für unsere Unternehmen unverzichtbar.“ Tschechien wickelt einen Großteil seines Überseehandels über diese Umschlagplätze ab. Er glaubt, dass der Tunnel „die Wettbewerbsfähigkeit ganz Europas stärkt.“ Er trage außerdem dazu bei, die Klimaziele zu erreichen. Für die Region rund um Ústí nad Labem könnte das Infrastrukturprojekt einen wirtschaftlichen Aufschwung bringen und die Abwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte aus der Region könnte durch die bessere Bahnanbindung verhindert werden.

Viele Jahre wurde über die Machbarkeit, den Streckenverlauf und die Finanzierung des Jahrhundertprojekts debattiert. Nun kommt Tempo in das Vorhaben. Die Vorplanung und Variantenuntersuchung wurden im Frühjahr 2024 abgeschlossen. Der Staatsvertrag zwischen Deutschland und Tschechien liegt unterschriftsreif vor. Tschechiens Regierung hat ihn im Juli 2025 gebilligt. Auf deutscher Seite laufen noch Abstimmungen zwischen dem Bundesverkehrsministerium, der Deutschen Bahn und dem Bundestag. Gibt es dort bis zum Frühjahr 2026 ein positives Votum, können alle weiteren Schritte, inklusive der Finanzierungsfragen, zügiger geklärt werden. Während der parlamentarischen Befassung im Bundestag werden die Kostenberechnungen geprüft und freigegeben.

Bis Mitte 2027 soll die Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen werden. Danach kann gemeinsam mit Deutschland die Dokumentation für die Bauplanung erstellt werden. Ab den 2030er Jahren könnte dann mit dem Bau begonnen werden.

Herzstück der Neubaustrecke ist ein 30 Kilometer langer Tunnel aus Heidenau bei Dresden nach Ústí nad Labem. Auf dem Weg nach Prag ist noch ein weiterer Tunnel durch das Böhmische Mittelgebirge geplant. Er soll auf 18 Kilometern Länge zwischen Ústí nad Labem und Lovosice verlaufen. Von dort geht es auf einer 53 Kilometer langen Neubaustrecke weiter bis nach Prag. In Roudnice nad Labem entsteht ein neuer Bahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge.

• gemeinsame Planung in verschiedenen Sprachen und unterschiedlichen Regelwerken

• Evakuierungs- und Rettungspunkte für Brand- und andere Notfälle

• Tunnel verläuft in Tiefe von 400 Metern, Zugang für Rettungskräfte muss gesichert sein

• unterirdisches Bauwerk von 1 Kilometer Länge nötig, um Passagiere aus vollbesetztem Personenzug evakuieren zu können (Sitz- und Wartemöglichkeiten für über 1.000 Reisende)

• abweichende Rettungskonzepte in beiden Anrainerländern, die vereinheitlicht werden müssen

• unterschiedliche Oberleitungssysteme auf deutscher und tschechischer Seite

• Zwei eingleisige Tunnelröhren

• Bau erfolgt mit vier Tunnelbohrmaschinen, zwei von jeder Seite

• 150 Güterzüge und 48 Personenzüge pro Tag

• Dank des Zugsicherungssystems ETCS kann alle 500 Meter ein Zug fahren

• Güterzüge fahren maximal 120 Kilometer pro Stunde, Personenzüge mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde

• Stundentakt für Personenzüge zwischen Prag und Dresden geplant


Foto: dresden-praha.eu

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