Tschechiens Markt für Elektroautos gewinnt an Fahrt 

Gerit Schulze | Germany Trade & Invest

Der tschechische Markt für Elektroautos wächst kräftig. Dazu hat vor allem die Modelloffensive des einheimischen Herstellers Škoda Auto beigetragen. Die Volkswagen-Tochter brachte 2025 das kompakte SUV-Modell Elroq auf den Markt, das aus dem Stand zum beliebtesten Elektroauto im Land avancierte. 

Insgesamt stiegen die Neuzulassungen von Batteriefahrzeugen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 26 %. Das Land verzeichnet damit ein zweites starkes Jahr in Folge. Für die EU insgesamt ermittelte der europäische Herstellerverband ACEA 2025 ein Plus von 51 %. Tschechien hat beim Absatz von batteriebetriebenen Pkw also weiter Nachholbedarf. Die 2025 verkauften 13.800 Elektroautos bedeuteten einen Anteil von lediglich 5,6 % am Neuwagengeschäft (EU-Durchschnitt: 17,4 %). Damit gehört Europas drittgrößter Produktionsstandort für Pkw beim Absatz von Elektroautos weiter zu den Schlusslichtern auf dem Kontinent. 

Dank der beiden SUV-Batteriemodelle Enyaq und Elroq hat Škoda Auto 2025 die Führungsposition beim Verkauf von Elektroautos in Tschechien übernommen. Mit rund 5.300 neu zugelassenen Fahrzeugen hängte die VW-Tochter den Wettbewerber Tesla mit großem Abstand ab. Der US-Hersteller konnte 2025 nur noch halb so viele Autos verkaufen wie im Jahr zuvor und kam auf 1.943 Neuzulassungen. Dahinter folgten Volkswagen (801), Hyundai (672) und Ford (618). Mercedes-Benz und BMW belegten die Plätze 6 und 7. 

Der Kauf von Elektroautos für Privathaushalte wird vom Staat weiterhin nicht unterstützt. Ein Anreiz bleibt lediglich die gebührenfreie Nutzung der Autobahnen. In Tschechien entfallen allerdings drei Viertel des Neuwagenmarktes auf Firmenfahrzeuge. Hier greifen Förderprogramme, die mit EU-Mitteln finanziert werden. Aus dem Integrierten Regionalen Operationellen Programm (IROP) können Gemeinden, Regionalverwaltungen und öffentliche Verkehrsbetriebe Fördermittel für emissionsarme Fahrzeuge beantragen. Das betrifft Elektro-, Wasserstoff- und Oberleitungsbusse sowie Straßenbahnen und Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen wie Biomethan. Bis Ende 2027 stehen dafür 130 Millionen Euro bereit. 

Weitere Förderprogramme betreffen den Aufbau von öffentlichen Ladeparks und Wasserstofftankstellen. Sie werden ebenfalls aus EU-Fonds finanziert. Private Hauseigentümer können im Rahmen des Förderprogramms „Nová zelená úsporám“ Zuschüsse für Ladesäulen beantragen. Dabei gibt es umgerechnet rund 1.000 Euro je Ladepunkt, allerdings nur in Kombination mit der Isolierung des Gebäudes, Solaranlagen oder der Installation alternativer Wärmequellen. 

Die großzügigen Förderprogramme führen dazu, dass sich die Ladeinfrastruktur dynamisch entwickelt. Ende 2025 gab es rund 3.700 öffentliche Ladestationen mit mehr als 6.500 Ladepunkten. Die Nutzung ist allerdings gering, sodass die Betreiber selten Gewinne schreiben. Ein E.ON-Vertreter nannte bei einer Konferenz in Prag eine Auslastung von 2 %, während 15 bis 20 % für einen wirtschaftlichen Betrieb nötig seien. Da die meisten Elektroautos Firmenwagen sind, können diese oft im Unternehmen geladen werden. Die Branche hofft, dass sich der Markt für gebrauchte Elektroautos entwickelt, damit mehr Privatnutzer die Antriebstechnologie nutzen. 

Zu den Marktführern bei öffentlichen Ladestationen gehören die Stromversorger ČEZ, PRE und E.ON. Doch auch die Tankstellenketten wollen sich einen Teil des Geschäfts sichern. Der polnische Orlen-Konzern etwa will an jeder seiner über 440 Tankstellen in Tschechien vier bis acht Ladepunkte installieren. Das Unternehmen setzt dabei auf Schnelllader mit 300 kW Leistung, sagte der Leiter des Tankstellennetzes, Rostislav Moravec, beim Forum Elektromobilita in Prag. Mit dem französischen Start-up Electra dringt 2026 ein neuer Wettbewerber auf den Markt. Das Unternehmen setzt auf ultraschnelles Laden und will bis 2030 etwa 80 Standorte in Tschechien eröffnen, berichtete die Tageszeitung E15. 

E.ON gehört zu den Vorreitern bei der Infrastruktur für Elektro-Lkw. In Mořice im Osten Tschechiens betreibt der Stromkonzern einen ersten Ladepark. Weitere sollen entlang der wichtigen Verkehrstrassen folgen. E.ON bedient damit einen steigenden Bedarf: Im Jahr 2025 wurden in Tschechien 136 neue Elektro-Lkw zugelassen und damit viermal so viele wie im Vorjahr. Außerdem baut das Unternehmen Ladestationen für Elektrobusse auf. Pilotprojekte gibt es in Tábor und Mladá Vožice, berichteten E.ON-Manager beim Forum Elektromobilita. 

Auch als Produktionsstandort für Elektroautos gewinnt Tschechien an Bedeutung. Im Jahr 2025 verdoppelte sich die Fertigung von reinen Elektroautos nahezu gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt rollten über 285.000 Autos mit Batterieantrieb vom Band – ein Zuwachs um 98,2 %. Diese Antriebskategorie hatte damit einen Anteil von 15,5 % an der Gesamtproduktion. Weitere 4,2 % (60.000 Pkw) entfielen auf Plug-in-Hybride. 

Die meisten Elektrofahrzeuge (189.000 Stück) produzierte 2025 Škoda Auto. Hyundai meldete für das Werk Nošovice knapp 35.000 Elektroautos. Der japanische Konzern Toyota kündigte an, am Standort Kolín seine erste europäische Fabrik für Batteriefahrzeuge zu errichten und dafür rund 700 Millionen Euro zu investieren. Škoda wird 2026 zwei neue E-Auto-Modelle auf den Markt bringen: den Kleinwagen Epiq, der allerdings in Spanien produziert wird, und den elektrischen 7-Sitzer Peaq. Der japanische Autozulieferer Aisin Europe Manufacturing hat ein neues Werk im südböhmischen Písek für 190 Millionen Euro angekündigt. Dort sollen Komponenten für Elektromotoren von BMW produziert werden. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert