Unternehmergeschichte im Film: Die Familie Schicht und ihre Kult-Seife mit dem Hirsch 

Im Keller eines Dorfhauses in Ringelshain/Rynoltice begann der Firmengründer Georg Schicht 1848 mit der Seifenherstellung. Sein Sohn Johann, schon „Seifenkönig“ genannt, verlegte den Firmensitz nach Aussig und machte das Unternehmen zu einem der bedeutendsten in der österreichisch-ungarischen Monarchie. 1891 ließ er das legendäre Logo mit dem Hirsch für die Schicht-Seife registrieren, sie ist das bekannteste Produkt der Familie Schicht. Im Jahr 1907 übernahm die dritte Generation – die Brüder Heinrich und Georg – die Schicht-Werke. Unter ihrer Führung erlebte das Unternehmen seinen größten Aufschwung, bevor es infolge des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Vertreibung zu seinem Niedergang kam. 

Das Unternehmen beherrschte mit seinen Produkten den riesigen Markt der Monarchie. Neben der berühmten Seife mit dem Hirsch stellten sie Marken wie Elida-Kosmetik, Ceres- und Vittelo-Fette, Vegetol-Öl sowie Kalodont-Zahnpasta her. Mit Unternehmertum verband die Familie Schicht auch gesellschaftliches Egagement und Verantwortung. Das erste Flugrennen in Österreich-Ungarn  trug 1914 den Namen „Schicht-Flug“, benannt nach dem Hauptsponsor. Die Firma Schicht baute Brücken und stellte einen Prototypen des Autos ihrer eigenen Marke her. Sie betrieb eine große Elbschifffahrtsgesellschaft, einschließlich einer Flotte von Personendampfern. Eine Werkskantine war bereits 1894 eine Selbstverständlichkeit. Und bereits 1931 wurde in Aussig ein öffentliches Hallenbad mit einem 25-Meter-Becken eröffnet. In Tschechien war das Unternehmen das erste überhaupt, das innovative Filmwerbung einsetzte. 

 

Das Wachstum des Unternehmens stieß auf dem europäischen Markt jedoch an Grenzen, vor allem durch Konkurrenten aus den Niederlanden und Großbritannien. 1929 gründeten die Schichts schließlich gemeinsam mit ihnen den multinationalen Giganten Unilever, zu dessen erstem Präsidenten der aus Aussig stammende Georg Schicht gehörte, der daraufhin nach Großbritannien übersiedelte. 

Die politische Entwicklung im nationalsozialistischen Deutschland stellte die Brüder Heinrich und Georg auf entgegengesetzte Seiten. Georg nahm 1939 die britische Staatsbürgerschaft an und unterstützte finanziell die tschechoslowakische Exilregierung in London. Seine drei Söhne kämpften in der britischen Armee. Zwar unterstützten einige Vertreter der Schicht-Familie in der besetzten Tschechoslowakei Hitlers Politik aktiv, doch Heinrich kooperierte nur pragmatisch mit dem Regime und trat niemals der NSDAP bei. Sein Sohn musste zur Wehrmacht einziehen und fiel in Polen. Heinrichs Familie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben und gelangte schließlich in die Schweiz, wo sie den Rest ihres Lebens in einem Hotel verbrachte.  

Die Schicht-Werke wurden 1945 verstaatlicht und in Nordböhmische Setuza-Werke umbenannt. Das ursprüngliche Produktionsprogramm wurde jedoch größtenteils noch weitere 50 Jahre fortgeführt. Noch Ende des 20. Jahrhunderts gehörte Setuza zu den am besten bewerteten Unternehmen in der Tschechoslowakei, bevor das Traditionswerk in den wilden Nachwendejahren durch Betrug und Veruntreuung unterging. Seit 2016 findet man wieder Produkte mit dem historischen Markenzeichen des springenden Hirsches in vielen Geschäften. Sie werden von der Firma Schicht Prodej hergestellt, die sowohl die Tradition als auch den Namen fortführt, jedoch keine Verbindung mehr zur ursprünglichen Gründungsfamilie hat. Bemerkenswert bleibt, dass diese neuen Drogerieartikel weiterhin eines der am längsten und kontinuierlich genutzten Markenlogos der tschechischen Industriegeschichte tragen.  

Die Geschichte der Unternehmerfamilie Schicht erzählt der Film „Königreich der Seifenblasen“. Der Film handelt auch von den Nachkommen der Familie Schicht, die auf der Suche nach ihren Wurzeln und ihrer Verbindung zu einer Stadt sind, in der keiner von ihnen gelebt hat. „Königreich der Seifenblasen“ ist derzeit in den tschechischen Kinos zu sehen und kann beim Verleih krutonfilm mit tschechischen, deutschen oder englischen Untertiteln bestellt werden.

 

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