Woran krankt das tschechische Gesundheitssystem?

René Bastl
Managing Director Merck / Tschechien

“Tschechien investiert ins Gesundheitswesen ca. 7,5 % des BIP. Im EU-Vergleich sehr wenig, vor allem bei der Finanzierung von Behandlung und Rehabilitation. Eine moderne und gezielte Behandlung ist daher nicht für alle zugänglich. Unter dem Finanzmangel leiden auch die Angestellten im Gesundheitssektor, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das auch die Patienten spüren. Die Patienten wiederum überbeanspruchen vielfach die zugängliche medizinische Versorgung. Das sind leider Konsequenzen der kostenlosen Pflege und des beständigen Glaubens der Bürger, sich nicht selbst um ihre Gesundheit kümmern zu müssen.”

 

 

 

 

 

 

Adam Vojtěch
Abgeordneter des tschechischen Parlaments

“Eines der Hauptprobleme ist die langfristige Tragfähigkeit der Finanzierung. In der Zeit des Wirtschaftsbooms, den wir jetzt erleben, werden keine ausreichenden Reserven für schlechtere Zeiten gebildet. So ist das System nicht auf die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums vorbereitet. Dies kann zu einem rasanten Defizitaufbau führen. Das Gesundheitswesen steht aber noch vor weiteren Herausforderungen, wie z. B. dem signifikanten Anstieg chronischer Erkrankungen oder der Überalterung der Bevölkerung. Auch deshalb müssen wir Maßnahmen ergreifen, die auf der Ausgabenseite zu mehr Effizienz führen.”

 

 

 

 

 

 

Michal Sojka
Pressesprecher der Tschechischen Ärztekammer

“Das Hauptproblem ist der Mangel an Ärzten, Krankenschwestern und anderen Fachkräften. Ich würde die Situation als Krise bezeichnen, die mancherorts bereits die Gesundheitsversorgung bedroht. Schuld ist seit Jahren die Abwanderung junger Ärzte ins Ausland und der Krankenschwestern in andere Berufe. Das Durchschnittsalter der Hausärzte liegt heute bei 56 Jahren. Gründe sind die mangelhafte Finanzierung der Gesundheitsversorgung, die niedrigen Löhne des Personals sowie das schlechte System des Promotionsstudiums. Leider sind die Prognosen für die Zukunft noch alarmierender.”

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