Zwischen Bayern und Tschechien entsteht ein neuer 5G-Korridor

In Zukunft sollen nicht nur Menschen und Waren eine Schnellverbindung zwischen Bayern und Tschechien haben, sondern auch Daten. Das soll durch enge Kooperation bei der Nutzung von Hochgeschwindigkeits-Mobilfunknetzen der fünften Generation (5G) und der Entwicklung von 5G-basierten Anwendungen ermöglicht werden. Beide Nachbarländer, die im industriellen Herzen Europas liegen und auf Innovation, Digitalisierung und Hochtechnologien setzen, haben sich auf das grenzüberschreitende Gemeinschaftsprojekt in der gemeinsamen Absichtserklärung „5G-Korridor München – Prag“ geeinigt. Die Initiative wurde 2020 durch die Bayerische Staatskanzlei und das tschechische Ministerium für Industrie und Handel ins Leben gerufen. Ziel ist es, den globalen Trend bei der Bereitstellung neuer elektronischer Kommunikationsdienste zu gestalten und dadurch digitale Transformation grenzüberschreitend voranzutreiben.

Durch eine mehrfach höhere Geschwindigkeit und Stabilität der Datenübertragung als bei 4G sind 5G-Netze in der Lage, Tausende von Geräten gleichzeitig zu vernetzen und so Raum für die Entwicklung weiterer innovativer Dienstleistungen zu schaffen. So können Fabriken mit automatisierten Prozessen und vernetzten Maschinen ausgestattet werden, um die Arbeitssicherheit und die Produktivität zu erhöhen. Lieferketten können optimiert werden, Fahrzeuge untereinander kommunizieren, Patienten in ländlichen Räumen ärztliche Fernversorgung erhalten. Der Raum zur Nutzung z.B. künstlicher Intelligenz kann eine neue Dimension gewinnen.

Das bayerisch-tschechische Pilotprojekt verfolgt dabei einen zweistufigen Ansatz. Erste Priorität hat in der Anfangsphase die Forschungskooperation zwischen Bayern und Tschechien. Im ersten Schritt werden Anwendungsszenarien für 5G identifiziert, entwickelt und priorisiert. Forscher, Unternehmen, Mobilfunkbetreiber und potenzielle Nutzer der neuen Lösungen sollen in themenbezogenen Arbeitsgruppen daran zusammenarbeiten. Im Fokus stehen die folgenden Themenbereiche: eHealth, Connected and Automated Mobility, Industrie 4.0, Smart Regions und Cyber Security. Neben dem Ausbau eines Forschungskorridors sollen in einem zweiten Schritt Möglichkeiten zur Nutzung von EU-Fördermitteln für einen 5G-Infrastrukturausbau entlang der Hauptverkehrsachsen zwischen München und Prag geprüft werden.

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Der 5G-Korridor München – Prag ist eine ambitionierte Initiative mit hohem Potenzial, ein Vorzeigeprojekt für bilaterale technologische Zusammenarbeit im Rahmen der EU zu werden. Beide Länder können von dem Projekt stark profitieren. Der intensive Austausch zwischen Bayern und Tschechien kann auf mehreren Ebenen durch Hochgeschwindigkeits-Datenaustausch noch einfacher und schneller und die Wettbewerbsfähigkeit der Region gesteigert werden – nicht nur wirtschaftlich, sonder auch in der Lebensqualität. Um den Aufbau der notwendigen Infrastruktur zu finanzieren, prüfen beide Länder derzeit in Abstimmung mit der EU-Kommission eine koordinierte Beantragung von EU-Fördermittel im Rahmen des mehrjährigen Finanzrahmens 2021 – 2027.

Der virtuelle Grundstein des 5G-Korridors wurde im Februar 2021 mit einer online Auftaktveranstaltung unter Teilnahme von hochrangigen VertreterInnen aus den Staatsverwaltungen, der Wissenschaft, Wirtschaft sowie aus bayerischen und tschechischen Kommunen gelegt. Die konkrete Arbeit hat bereits im 5G-Anwedungsbereich eHealth begonnen. Im März 2021 haben sich dazu bayerische und tschechische WissenschaftlerInnen zu einem virtuellen Workshop getroffen. Es war die erste Gelegenheit, neue Projektideen z.B. aus den Bereichen Telemedizin, HomeCare, Smart Hospital, Austausch von medizinischen Daten und Bildungsprogrammen zu präsentieren und neue Projektkonsortien aufzubauen. In den folgenden Monaten werden diese Anwendungsfälle weiter ausgearbeitet werden. Noch im Frühjahr 2021 findet der erste bilaterale Workshop zum Thema Connected and Automated Mobility statt.

Kontakt: Lenka Šolcová
Projektkoordinatorin 5G-Korridor München – Prag
lenka.solcova@munich-prague.org

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