Ein Blickwinkel von Helena Horská, Chefökonomin der Raiffeisenbank

Corona-Krise oder Corona-Schock?

Die Corona-Krise versetzte der tschechischen Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte einen heftigen Schlag. Im April erreichten wichtige Indikatoren ihren Tiefpunkt. Starke Rückgänge gab es bei der Industrieproduktion (-35,2 %), beim Umsatz im Einzelhandel (-21,4 %), bei Verkauf und Zulassung von Neuwagen (-53,4 %) sowie der Außenhandelsbilanz (-26,9 Mrd. CZK). Nach dem Lockdown kam es zu einer Wiederbelebung der Wirtschaftsaktivitäten, in Tschechien und im Ausland.

Statt mit einer Krise, welche die Wirtschaft in ihrer Substanz lähmt, kämpfen wir vielmehr mit einem Schock aus heiterem Himmel, der nicht billig sein wird. Für 2020 gehen wir von Verlusten von 315 Milliarden CZK und Umsatzeinbrüchen um 470 Milliarden CZK aus. Covid-19 radiert drei bis vier Jahre Wachstum aus und wirft uns auf das Niveau von 2016 zurück. Erst im Jahr 2022 werden wir dort sein, wo wir vor dem Ausbruch der Pandemie standen. Wenn das Vertrauen in die Wirtschaft nicht zurückkehrt und private Investitionen weiter aufgeschoben werden, droht ein BIP-Verlust von bis zu 6 % gegenüber dem langfristig prognostizierten Wachstumspfad. Bei einer weiteren Welle könnte der Verlust auch bei über 10 % liegen.

Auch im Ausland erholt sich die Wirtschaft nur langsam. Für Tschechiens Exportindustrie stellt vor allem eine sinkende Nachfrage in Deutschland ein Risiko dar. Und für die Eurozone ist es riskant, dass die staatlichen Förderprogramme allmählich auslaufen. Die Unternehmen erhalten immer weniger Sondermittel, was zu einer höheren Arbeitslosigkeit und mehr Firmeninsolvenzen führen könnte.

Aktuell geht es vor allem um das Vertrauen der Gesellschaft in die Robustheit der Wirtschaft und ihre Fähigkeit, wieder auf Wachstumskurs zu kommen. Wenn es zu keiner großflächigen Ausbreitung des Virus kommt, wird es auch keine zweistelligen Verluste geben – und die Corona-Krise wird das Wachstum von mehr als vier Jahren nicht auslöschen.

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