Konjunkturumfrage 2026
Acht Jahre andauernder Abwärtstrend bei den Investitionen gestoppt. Tschechien entkoppelt sich von Stagnation in Deutschland Energiefrage gefährdet jedoch massiv die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen
Befragung: 03.03. – 02.04.2026
Fazit:
- Fast alle Indikatoren verzeichnen einen Aufwärtstrend, Zurückhaltung jedoch bei den Aussichten für 2026, die Beschäftigungsprognose zeigt sogar nach unten.
- Deutlich optimistischer als 2025 ist die Industrie, vor allem bei Umsatzentwicklung und Investitionen.
- Eine Sonderrolle spielt aktuell der Handel, der bei allen Indikatoren äußerst positive Erwartungen zeigt. Beim Dienstleistungssektor hingegen sinken Investitionen und Beschäftigungsprognose gegenüber 2025.
- Energie: Als größtes Risiko für Geschäft und Wettbewerbsfähigkeit sehen die Unternehmen die Energiepreise und die Energieversorgung.
- Die große Mehrheit der Unternehmen fordert stabile und berechenbare regulatorische Rahmenbedingungen und einen beschleunigten Ausbau der Atomenergie.
- CEE-Ranking: Polen bleibt der attraktivste Investitionsstandort.
Indikatoren
Bei nahezu allen Indikatoren zeichnen die Unternehmen 2026 ein optimistischeres Bild als im Vorjahr, ihre Einschätzungen zum weiteren Jahresverlauf sind jedoch deutlich zurückhaltender.
Die aktuelle Wirtschaftslage bewertet die Unternehmen abermals deutlich besser: Der Saldo steigt ein weiteres Jahr in Folge von +1 auf aktuelle +18 Punkte. Damit stabilisiert sich ein erfreulicher Trend.
Auch die Wirtschaftsaussichten haben sich leicht verbessert, der Saldo verharrt jedoch weiterhin im Negativen (-8 Punkte). Ein ähnliches, wenn auch etwas positiveres Bild zeigt sich bei der eigenen Geschäftelage und den Geschäftsaussichten. Auch der Aufwärtstrend bei der Entwicklung der Gesamtumsätze setzt sich bereits im zweiten Jahr in Folge fort, der Saldo steht auf +33 Punkten.
Eine außerordentlich positive Sonderrolle spielt der Sektor Handel. Fast zwei Drittel der Unternehmen (64%) rechnen mit steigenden Geschäftsaussichten, ganze 71 % mit steigenden Umsätzen für 2026. Gründe dürften der recht starke Binnenkonsum und die Tatsache sein, dass die US-Zölle nicht mehr die Schlagzeilen dominieren.
Ein weiteres ermutigendes Signal kommt aus der so wichtigen, aber seit Jahren unter Druck stehendenIndustrie: 45 % der Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe erwarten in diesem Jahr steigende Umsätze, gegenüber 39 % im Vorjahr. Deutlicher noch fällt der positive Trend in diesem Sektor bei den Investitionen auf. Planten im vergangenen Jahr noch ganze 43 % der Industrie, ihre Investitionen zu senken, so sind es aktuell nur noch 29 %. Immerhin jedes dritte Unternehmen (34 %) rechnet mit steigenden Investitionen. Blicken wir auf dieInvestitionsbereitschaft der Unternehmen insgesamt, so ist der acht Jahre andauernde Rückgang gestoppt, der Saldo steigt von +5 im vergangenen Jahr auf aktuell +11 Punkte.
Zurückhaltung hingegen zeigen – anders als 2025 – die Daten im Dienstleistungssektor. Hier ist der Anteil der Unternehmen mit steigenden Investitionen um 10 Prozentpunkte gefallen auf aktuell 32 %. Eine deutlich schlechtere Beschäftigungsprognose dürfte mit dem zunehmenden oder geplanten Einsatz von Künstlicher Intelligenz zusammenhängen.

Tschechien entkoppelt sich zunehmend von Stagnationen in Deutschland
Ein Vergleich mit der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage in Deutschland zeigt eine zunehmende Entkoppelung der tschechischen Wirtschaft von der deutschen, sichtbar insbesondere bei den Investitions- und Beschäftigungsplänen für 2026: Der Investitionssaldo liegt in Deutschland bei –8 Punkten, in Tschechien bei +11 Punkten.
„Es scheint – zumindest derzeit – nicht mehr zu gelten, dass die tschechische Wirtschaft eine Lungenentzündung bekommt, wenn Deutschland einen Schnupfen hat“, sagt DTIHK-Geschäftsführer Bernard Bauer. „Aber trotz der strukturellen Probleme und Verunsicherung in Deutschland zeigt sich der deutsch-tschechische Handel mit einem Rekordvolumen von 115,7 Mrd. EUR erfreulich resilient.“

Risiken und Herausforderungen
Jedes zweite Unternehmen (51 %) sieht in den kommenden 12 Monaten die Energiepreise als größtes Risiko für die eigenen Geschäfte an. Für ganze 63% bedrohen die Energiepreise sogar die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens in den kommenden drei Jahren. Zu den weiteren Hauptsorgen zählen der Fachkräftemangel (43%), der Nachfragerückgang (42%), Rohstoffpreise (40%) und Arbeitskosten (38%). Auch im Horizont von fünf Jahren sehen die Unternehmen das größte Risiko in der Sicherung der Rohstoff- und Energieversorgung (46 %).
Europa ist weiterhin stark von importierten fossilen Brennstoffen abhängig, die heute rund 30 % der Gesamtkosten des Energiesystems ausmachen. Damit sind die Preise höchst anfällig für jeden geopolitischen Schock, sagt Claudia Viohl, CEO und Vorstandsvorsitzende von E.ON Tschechien: „Eine beschleunigte Elektrifizierung und die Modernisierung der Energieinfrastruktur könnten diese Abhängigkeit bis 2045 auf etwa 17 % nahezu halbieren und Kapital von Importen hin zu inländischen Investitionen verlagern. Eine erfolgreiche Energiewende ist daher nicht nur eine Frage der Klimaziele, sondern eine Voraussetzung für stabile Preise, Energiesicherheit und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas.“
Als Reaktion auf diese geopolitische Risikolage hat bereits jedes zweite Unternehmen sein Lieferantennetzwerk erweitert und neue Absatzmärkte erschlossen. Im Bereich der Energieversorgung investiert schon jedes zweite Unternehmen in eigene Energieerzeugung (z.B. Photovoltaik), 45 % haben Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt und 40 % sind langfristige Lieferverträge eingegangen.
Erwartungen an die Energiepolitik
Welche Maßnahmen erwarten die Unternehmen vom öffentlichen Sektor (Kommunen, Staat oder EU-Kommission), damit die Energiepreise nicht weiter die Wettbewerbsfähigkeit bedrohen? 64 % der Unternehmen erwarten stabile und berechenbare regulatorische Rahmenbedingungen, und fast genauso viele (62%) fordern einen beschleunigten Ausbau der Atomenergie, deutlich mehr als einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien (37 %). Immerhin 35 % sprechen sich für den Ausbau grenzüberschreitender Energieinfrastruktur aus.
Eine gezielte Entlastung industrieller Energieverbraucher – wie ein Industriestrompreis – fordern mit 25% die wenigsten Unternehmen. Trotz – oder gerade wegen – unterschiedlicher nationaler Energiestrategien in Tschechien und Deutschland, erwarten 58 % der Unternehmen eine stärkere europäische Koordinierung der Energiepolitik zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.
Tops & Flops: Standortattraktivität Tschechiens
Tschechien punktet auch in diesem Jahr bei den Investoren mit folgenden Top-Standortfaktoren: EU-Mitgliedschaft (Platz 1), Telekommunikation (Netzqualität, Dienstleistungen – Platz 2) und traditionell die „Qualität und Verfügbarkeit lokaler Zulieferer“ (Platz 3).


Am schlechtesten im Ranking von 25 Faktoren beurteilen die Investoren in Tschechien wieder die „Verfügbarkeit von Fachkräften“, die „Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik“ (von Platz 22 auf 24 abgerutscht) und die „Effizienz der öffentlichen Verwaltung“ (Platz 23). Alarmierend ist, dass die „Bekämpfung von Korruption und Kriminalität“ um 6 Plätze auf Platz 22 zurückgefallen ist.
Beim Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit Tschechiens mit 5 wichtigen Investitionsstandorten in Mittelosteuropa belegt erneut Polen den ersten Platz. Es folgen Tschechien, Rumänien, die Slowakei, Bulgarien und als Schlusslicht Ungarn. Wichtigste Kriterien waren vor allem niedrigere Produktionskosten, Investitionen in Infrastruktur und ein besserer Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften.

