Die Meister-Macher

Die eine Seite des Erfolgs ist schnell erzählt: wachsender Umsatz, steigende Mitarbeiterzahlen, größere Produktionsflächen. Erfolg ist aber auch anders messbar. Das zeigt ein deutscher Kabelkonfektionär in Tschechien mit seinen Soft Skills in Sachen Unternehmenskultur und Unternehmensverantwortung. Die kann sogar bis nach Panama reichen.

„Wir können vom miniaturisierten klitzeklitzekleinen Kabel, bei dem die Ader dünner ist als ein Haar, bis hin zur Windkraftverkabelung im Grunde alles verarbeiten“, erzählt Peter M. Wöllner, Inhaber der CiS-Gruppe. Das tschechische Tochterunternehmen CiS systems s.r.o. hat seinen Sitz im nordböhmischen Hejnice. Hunderte von Mitarbeitern fertigen dort Kabelkonfektion, Systemtechnik und Mechatronik für Bankautomaten, Lkws, medizinische Geräte zur Beatmung oder auch Triebwerke der europäischen Ariane-Rakete. „Wir sind eigentlich eine Manufaktur“, meint der Unternehmer. Die sensiblen Produkte werden zumeist nach individuellen Kundenwünschen gefertigt. Handarbeit ist gefragt. Und Qualitätssicherung. Mit anderen Worten: gut ausgebildete Fachkräfte. Daran mangelt es in Tschechien. Auch weil es keine praxisorientierte Ausbildung gibt.

In die eigene Hand genommen
Wöllner hat aus der Not eine Tugend gemacht und das Problem angepackt. Mitarbeiter selbst ausbilden und im Betrieb halten, lautet die Devise. Vor zehn Jahren gründete er die „1. Meisterschule Isergebirge“ – auf eigene Kosten. Mit im Boot waren das Unternehmen Knorr-Bremse, die Technische Universität Liberec, die IHK Dresden und die DTI HK in Prag, um gemeinsam Lehrpläne zu erstellen. Ein Meister muss fit sein in technischen Fragen, Prozess im Auge behalten und verbessern, führen und Verantwortung übernehmen. Das alles steht über vier Semester auf dem Lehrplan der leitenden Mitarbeiter in spe – ganz nach dem Vorbild des deutschen Industriemeisters. 2009 begannen in Hejnice die ersten Meisterschüler ihre Weiterbildung. Für Wöllner sind die mittlerweile drei fertig ausgebildeten Jahrgänge einer der großen Erfolge von CiS. „Diejenigen, die die Meisterprüfung bestanden haben, sind fast alle noch im Unternehmen“, berichtet er stolz. Angefangen hatte CiS systems vor gut 20 Jahren mit nur 25 Mitarbeitern. Heute arbeiten im Betrieb rund 700. Auch dank der Ausbildungsinitiative. Damit ist das Unternehmen einer der größten Arbeitgeber der Region. Zugleich hat der Kabelkonfektionär seine Produktion in Tschechien auf drei Standorte mit insgesamt rund 15.000 Quadratmetern ausgeweitet.

Volle Punktzahl
„Wir sind ein Familienunternehmen“, betont der 65-Jährige. Dieses Selbstverständnis zeigte sich etwa während der Wirtschaftskrise, als kein Mitarbeiter auf die Straße gesetzt worden sei. Und es zeigt sich in der Unternehmenskultur. Zusätzliche Urlaubstage, jährlich sechs kostenlose Massagen für alle Mitarbeiter oder ein Ein-Schicht-Modell für Mütter und eine Ombudsfrau – das sind nur einige Errungenschaften, die den internationalen Londoner Auditor Intertek immer wieder überzeugten. Der begutachtet regelmäßig Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen wie Sicherheit, Löhne oder Arbeitszeiten und belohnte CiS systems mit der maximalen Wertung von 100 Punkten – zum vierten Mal in Folge. Ein Wert weit über dem Durchschnitt der weltweit mehr als 12.500 Unternehmen, die sich auf Herz und Nieren checken lassen. „Wir gehören im internationalen Vergleich einfach zu den besten Arbeitgebern der Welt“, so der Unternehmer.

Seit 2014 ist das Krefelder Unternehmen Mitglied im UN Global Compact, einer freiwilligen Initiative, die auf zehn Prinzipien zu Menschenrechten, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung basiert. Mit der Unterschrift verpflichtete sich das Unternehmen, jedes Jahr Rechenschaft abzulegen und produziert an den deutschen Standorten bereits CO2-neutral. Durch die Finanzierung von Wiederaufforstungsprogrammen in Panama. Das ist auch das Ziel für den tschechischen Standort. „Wir können die Welt nicht retten, aber wir wollen zumindest ein gutes Vorbild sein“.

Autorin: Muriel Pluschke

Bildquelle: CiS-Gruppe

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