Ein paar Monate länger und wir wären nicht mehr hier

Eine Firma aus Pilsen digitalisiert weltweit die Produktion und Logistik

Ihre Software plant, steuert und kontrolliert. Ganz gleich, ob es sich um Produktion oder Lager handelt, um Autoteile, Lebensmittel oder Sportbekleidung. Das tschechische Unternehmen Aimtec, an dessen Anfang ein paar Enthusiasten standen, beschäftigt heute 200 Mitarbeiter, erzielt über 350 Millionen Kronen Umsatz und hat Kunden auf fünf Kontinenten. Und wie so oft – die Digitalisierungsexperten erkannten erst in der Krise, worauf es im Business wirklich ankommt.

Pilsen, Prag und zurück

Jaroslav Follprecht und Roman Žák lernten sich Anfang der Neunziger in einem Pilsener IT-Unternehmen kennen. Schon damals dachten beide daran, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Doch zunächst hieß es Erfahrung sammeln, und zwar in Prag, in einem großen Beratungsunternehmen. 1996 war schließlich die Zeit gekommen. Mit ein paar Freunden gründeten Follprecht und Žák ihre eigene Firma in Pilsen für den Verkauf von Unternehmenssoftware. Weil sie allerdings spürten, dass sie auf spezielle Kundenwünsche nicht flexibel genug reagieren konnten, nahmen sie die Sache selbst in die Hand und begannen Programme zu entwickeln. Der Grundstein für Aimtec war gelegt.

Aimtec digitalisiert Prozesse in der Industrie. Die Software verknüpft Aufträge mit der Produktion, diese wiederum mit dem Lager und dem Vertrieb, sie wird in der erweiterten Produktionsplanung und der B2B-Kommunikation eingesetzt. Über die Hälfte der Kunden stammen aus der Autobranche. Auch Firmen aus den Bereichen Logistik, Lebensmittelindustrie oder Medizintechnik nutzen die Software, kleine und mittlere Unternehmen, aber auch Großunternehmen. Aus den USA, Mexiko, China und Australien, vor allem aber aus Deutschland. Die deutschen Kunden seien zuverlässig, die Abläufe organisiert und in hohem Maße standardisiert. Das schätzen die beiden Firmengründer. „Wenn wir unsere Lösungen dort an einen Betrieb verkaufen, werden sie höchstwahrscheinlich auch für andere Niederlassungen zur Norm“, sagt Follprecht. Heute hat Aimtec 200 Beschäftigte, 360 Millionen Kronen Umsatz, 30 Millionen Kronen Gewinn. Und nun auch moderne Büros im Zentrum von Pilsen.

An die Anfänge denken Follprecht und Žák mit einem Lächeln zurück. „Einmal fuhren wir zu einem Kunden in die Slowakei und machten die Software erst im Auto fertig“, erzählt Žák. Eine brenzlige Situation erlebten sie, als sich ein Fehler in die Software für einen Autoteile-Hersteller einschlich. Das Lager lieferte keine Waren mehr aus, vor der Halle bildeten sich lange Lkw-Schlangen, es drohten enorme Geldstrafen. Das Problem konnte noch rechtzeitig behoben werden, die Lastwagen ihre Waren ausliefern. „Wir danken noch heute allen Direktoren, dass sie uns damals ihr Vertrauen geschenkt haben“, sagt Follprecht.

Jaroslav Follprecht und Roman Žák

Strategisch, systematisch und mit Visionen

Eigene Fehler lassen sich zumeist beheben. Schwieriger sind Probleme, die von außen kommen, auf die man selbst keinen Einfluss hat. Das erlebte Aimtec zur Jahrtausendwende. „Bevor die Computer auf das Jahr 2000 umstellten, wusste niemand, was am 1. Januar passieren wird. Die Firmen stellten ihre Investitionen also ein“, erinnert sich Žák. Glücklicherweise lief alles einfach weiter wie bisher, was auch an der sorgfältigen Vorbereitung lag. Am schlimmsten kam es aber neun Jahre später. Die Finanzkrise traf den größten Kunden von Aimtec, die Automobilindustrie. Die Auftragszahlen gingen dramatisch zurück. „Wenn die Probleme ein paar Monate länger angehalten hätten, wären wir nicht mehr hier“, ist sich Žák sicher.

Die Krise brachte aber auch etwas Positives. Nach 13 Jahren auf dem Markt erkannten sie, dass sie profitorientiert denken und systematisch planen, mehr die Zukunft als die Gegenwart im Blick haben sollten. Das Ergebnis war ein strategisches Management, fortan planten sie nach einzelnen Geschäftsbereichen, die Gewinne dabei fest im Blick. „Bis dahin dachten wir kaum über solche Dinge nach. Wir machten einfach unsere Arbeit, und das machte uns Spaß“, erzählt Follprecht. „Damals gingen wir dazu über, worüber wir uns im Sozialismus noch lustig gemacht haben – zum Fünfjahresplan“, fügt Žák hinzu.

Die Chefs von Aimtec erwarten, dass das Interesse an ihren Produkten mit der fortschreitenden Digitalisierung weiter steigen wird. Dafür sprechen der wachsende Konkurrenzdruck, die höheren Ansprüche an Flexibilität, aber auch der Trend zur Elektromobilität. Žák lächelt: „Eigentlich gibt es keine Firma, die uns nicht braucht.“

Text: Zdeňka Janská
Foto: Aimtec

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